plus minus gleich

Hamid Mitschko

Wie immer stand ich ziemlich lange beim Läuten am Eingang des roten Hauses in der Amalienstraße in Schwabing, wo Hamid Mitschko wohnte. Es war weniger aus dem Bedürfnis die Zigarette zu Ende rauchen zu können, die ich beim Aussteigen aus der orangefarbenen Straßenbahn vor der Durchquerung der Passage mit der Kunstausstellung der abartigen kubistischen Gemälden bereits anzündete, mehr bewegte mich wie immer eine dunkle Befürchtung, dass Hamid Mitschko auf dem Boden seiner winzigen Wohnung, dem ehemaligen kleinen Waschraum des Hauses im Speicher seit zwei Tagen tot liegen könnte.

Obwohl er wie immer nicht reagierte, wegen seiner chronischen Angst, es könnte der Gerichtsvollzieher sein um ihn aus der Wohnung rauszuschmeißen, trotzdem spürte ich auf einmal, dass er da oben atmete. Ich bildete mir ein, sein schweres Atem zu hören, mit Rückenschmerzen und der Last der neuen Schulden des gestrigen Abends geplagt, da oben unter der niedrigen Decke am einzigen Fenster der Wohnung, wo sich seine Atemzüge hinter der jugoslawischen Glasscheibe, die ihn vom Himmel trennte, mit der frischen Luft vermischten.

Denn Hamid Mitschko stirbt nicht. Er gibt nicht auf bei allen rätselhaften Krankheiten, die ihn heimsuchten und deren grausame und ernsthafte Spuren in seinem schiefen Rücken, den Zerrungen seiner Gesichtszüge und Zuckungen seines rechten Beins hinterließen. Um sich damit in einer würdigen Art und Weise zu arrangieren, bemühte er sich sie für einen Behindertenausweis zu benutzen, der ihm erlaubt die öffentlichen Verkehrsmittel umsonst zu benutzen. Nachts in seinen Träumen verkauft er diesen Ausweis an die Besitzer von Luxuslimousinen, die sich über den Mangel an Parkplätzen in der Schellingstraße sowie im gesamten Schwabing beklagen.

Zum ersten Mal überkam mich ein Gefühl, als ob.... Ich sah verwirrende undeutliche Zeichen, wie gestern beispielsweise, als ich den Joschka, den Hund von unseren alten Nachbarin Madame Zola in der Luft wild um sich herum springen sah, als ob er Wesen beißen wollte, die es eigentlich nie gab. Ein anderes außerordentliches Ereignis, das niemand außer mir zu bemerken schien, und zwar, dass die Glockenbäume plötzlich aus der Bach-Straße spurlos verschwunden sind. So ohne Vorankündigung, ohne jeglichen ersichtlichen Grund, oder irgendeinen Hinweis, auf die Art, wie man sie samt Wurzel abriss. Sowie andere kleine Details, wie zum Beispiel, die Mengen der seit Monaten übereinander gestapelten Weltkarten an den Mauern der Gymnasien, die auf ihre Entsorgung warten. Denn es kamen bereits rechtskräftige Verordnungen vom Ministerium, die es klar machten, dass man den Schüler falsche Fakten nicht mehr zumuten darf, da die Weltkarte sich wesentlich geändert hat, so dass es nicht mehr möglich war, mit einem dicken schwarzen Filzstift die neuen Grenzen der Sowjetunion zu korrigieren. Es bedarf ganz neue Zeichnungen, die die Existenz der vielen neuentstandenen Staaten im damaligen Ostblock anerkennt an der ersten Stelle, dann kam die Golfregion, die theoretisch leicht zumodifizieren wäre, nach der offiziellen Erklärung der amerikanischen Absichten dort und die gerechten asiatisch-europäischen Ziele Interessen dort.

Hamid Mitschko hat meine Zweifel weiter vertieft, als er sich vor Kurzem einem Freund anvertraute, dass er gerne eine zweites mal heiraten würde. Als ob er jemals geheiratet hätte. Trotz den vielen Fotos in einem Plastikbeutel aus der Innentasche seines dunklen Mantels, die es auf gleichzeitig kategorische und rührende Art bezeugen, dass er tatsächlich vor fünf Jahren geheiratet und eine Tochter gezeugt hatte, die er auf eine Art liebt, die anfangs lächerlich erschien um mit der Zeit den bitteren Geschmack einer stillen Sehnsucht zu nehmen, Er fuchtelte vor sich absichtlich, rührt mit dem Zeigefinger im seinem halbvollen Glas, spricht in einem sehr ernsten Ton über äußerst privaten Themen, wie Scheidung und Unterhaltspflicht in einer Ehe, die eine Nacht und zwei Tage hielt.

Ich suchte ihn wie besessen. Obwohl es vorkam, dass ich ihn Jahre lang nicht sah. Ich begnügte mich dabei mit den entfernten Informationen über ihn, abgesehen vom fruchtlosen Läuten hin und wieder am Eingang des roten Hauses in der Amalienstraße.

Ich ging ins Café „usw“, dort wo er gelegentlich den Auftrag bekam als Koch zu fungieren. Er einigte sich mit dem Café-Inhaber über einen niedrigen Lohn, der ihm immerhin ermöglichte eine Nacht ohne neue Schulden zu überstehen. Er bestand aber darauf, dass ein Teil für das Fleisch und Gemüse im voraus bezahlt wird. Wobei er dann die Ausgaben mit jedem Mittel zu drücken versucht um daraus einen winzigen Gewinn für sich zu erwirtschaften„ Die Anderen sind es, die einen verdammt guten Gewinn machen bei dieser ganzen Gelegenheit“ pflegte er bitter zu wiederholen.

Hamid Mitschko lernte ich gleich in der ersten Zeit nach meiner Ankunft in dieses Land kennen. Damals trug ich einen Mantel und eine Mütze (??????) und kannte viele russische Gedichte auswendig, fing gerade an das Geschmack des Weißbiers zu entdecken, obwohl mein Geldbeutel meist leer war bis auf ein paar gefalteten Dokumente und Schnipseln mit Telefonnummern, für die die Zeit nie ausreichte um die Namen ihrer Besitzer dazu zu notieren. Ich behielt sie trotzdem alle wegen der Vermutung, dass es eventuell eine für mich sehr bedeutende Nummer dabei sei, die ich eines Tages bestimmt brauchen könnte. Ich hatte an jenem Tag eine Verabredung mit einem Schriftsteller, der ebenfalls aus meiner Heimatstadt stammt, an der dunklen Holzbar im Café „Türkenhof“. Wie immer unterhielt ich mich mit ihm laut und voller Enthusiasmus, als Hamid Mitschko in s Café kam. Seine Schulter nach vorne gekrümmt, bewegten sich seine Lippen langsam und pausenlos, wie jemand, der seine bitteren Sorgen ständig wiederzukauen scheint. Der Ausdruck einer chronischen tiefen Verbitterung beherrschte seine Gesichtszüge, eine ewiges Bitterkeitsgeschmack im Gaumen, das er nie loswerden könnte. In diesem Augenblick vermutete ich schon, dass ich diesen Habenichts mögen werde, für immer. So kam es auch, relativ kühl begrüßte ihn mein Gegenüber und stellte ihn mir vor :

„Mitschko, Doktor Mitschko, sagte er. Ein Landsmann, ein netter Freund. Er wohnt in der hinteren Straße, ist Koch und hat seine Berufsausbildung in Spanien gehabt.“

Und verschwand er danach fluchtartig in den Flur zu den Toilettenräumen.

Ich reichte Hamid Mitschko die Hand. Er beobachtete forsch und lange die Züge meines mageren Gesichts, dann bestellte er beim korrigieren der Höhe des Barstuhls ein Glas ??

Bevor ich das Café „Türkenhof“ verließ, wusste ich über ihn alles, was man über eine Menschen erfahren könnte. Mich überkamen andauernd die Lachkrämpfe, wenn ich mich an seine Geschichte mit der Königin Anna erinnerte. Als er in Madrid lebte, schrieb er ihr einen Brief, wo er zugegeben hatte, dass er ein armer Emigrant aus Tunesien war, der zwar keine Pesetas besaß, aber so schrieb er weiter, ein sehr empfindsames Herzchen, das sich vom ersten Augenblick dem Charme der Königin Anna völlig verfallen war, und dass er sich als glücklichster Mensch auf Erden schätzen würde, wenn die Königen seinen edlen Gefühlen jemals erwidern würde. Denn was die Königin brauchte, war nur einen sensiblen aufrichtigen leidenschaftlichen Liebhaber. Edelsteine und Geld hätte sie sowieso genug geerbt, was für Beide zusammen mehr als für weit hinaus über ein Leben reichen würde, Er fügte noch den Hinweis zu der gemeinsame Geschichte der Spanier und Araber, wie das spanische und das arabische Blut im prächtigen Andalusien auf die edelste Weise sich vermischten. Er vergaß zum Schluss auch nicht das Schloß Al-Hamra zu erwähnen und noch ein Gedicht zu zitieren, das so anfing: Das Wasser und die Gärten, sanft und duftend....

Ich sehnte mich nach einem Treffen mit ihm, aber weil er ständig pleite war, und ich nach wie vor, nach fünfzehn Jahren Aufenthalt in Deutschland ebenfalls andauernd knapp bei Kasse war, vermied ich es doch ihn zu treffen.

Eigentlich bittet Hamid Mitschko nie ums Geld. Ich wusste, dass er Monate lang ohne einen einzigen Pfennig in der Tasche verbringen konnte. Monate lang reichen ihm Brot und Wasser zum Überleben, abgesehen von einigen sporadischen Spenden im Café, sei es Zigaretten oder Getränke, die Caféstammgäste ihm freiwillig zukommen ließen.

Er bettelt aber nie. Begnügt sich mit der Beobachtung der Regentropfenspuren an den Glasscheiben oder mit dem Richten der Höhe seines Barstuhls zum Hundertesten Mal so behutsam, dass dabei sich seine chronischen Rücken- oder Leberschmerzen nicht wieder melden.

Das letzte Mal sah ich ihn vor zwei Monaten. Ich erkannte ihn nicht im ersten Augenblick. Nicht weil er so elegant in einem neuen dunkelblauen Mantel lief, mehr war es wegen dem neuen pfirsichfarbenen schottischen Hut mit dem blauen Band, der seine Erscheinung total veränderte. Er erkannte aber und rief mich, gab sich viel Mühe seine gekrümmte Schulter so viel es ging aufzurichten. Er bestand darauf mich auf ein Glas im Café „usw“ einzuladen. Er sagte, dass er einen beachtlichen Betrag bei einer Fußballwette vor drei Tagen gewonnen hatte. Ich wunderte mich, wie er bei einer Wette überhaupt teilnehmen könnte, er sagte, dass er tatsächlich keinen Cent hatte. Ein besoffener relativ wohlhabender Caféstammkunde wollte um fünfhundert Euro wetten, dass seine Fußballmannschaft drei Tore beim anstehenden Match schieße. Keiner der Cafégäste besaß den Betrag. Es wurde still bis sich die Atmosphäre entspannte, als Hamid Mitschko sich meldete. In Ihre Blicke zu dem Herausforderer schlich sich Schadenfreude ein. Der verlangte auch nicht von Hamid zu beweisen, dass er über fünfhundert Euro verfügt! Hamid, der niemals das Geld für ein zweites Getränk besaß!

Er sprach davon, wobei er ständig seinen Hut richtete??. Ich fand, dass der seltsame Hut ihm perfekt stand. Er erzählte weiter, sogar Jasmin, seine Tochter, hat er vom Gewinn einen Teil zukommen lassen. Ihrer Mutter schrieb er einen Brief mit drei Zeilen, dass „nach der langen dunklen Nacht, das Tageslicht aufbricht“, dass Deutschland ein wunderbares Land und dass das Wetter sehr schön ist. Er schickte ebenfalls zwei Fotos von ihm mit dem schottischen Hut und dem dunkelblauen Mantel, in diesem fast unerträglich rekord-heißen Sommer!

Zum ersten Mal schrieb er seine Adresse vollständig und in sehr klaren Druckbuchstaben auf dem Briefumschlag, obwohl er genau wusste, dass seine Geschiedene auf keinen Fall antworten würde.

Mein Herz raste. Ich konnte nicht gehen ohne nochmals zu läuten. Mindestens zehn Mal drückte ich auf den Knopf, ich stand kurz davor aufzugeben, als seine gebrochene Stimme endlich durch die Sprechanlage fragte, wer da sei. Ich hätte vor Freude springen können, näherte mich dem schwarzen Rahmen an der Haustür und schrie ihn an:“ Gott verfluche dich, alter Fuchs, mach endlich auf!“

Ich erreichte schnaufend seine möblierte „Waschküchenbehausung“ im achten Stockwerk.

Er machte die Tür auf und versuchte noch vergebens die letzten Knöpfe seiner weiten Hose zuzubekommen. Ich ging rein und blieb eine Weile stehen, da ich keine Möglichkeit sah, wo ich mich hinsetzten könnte.

Vier „handbreit???“-Entfernung trennt den Kleiderschrank vom niedrigen Bett, der unter den tausend kunterbunten Habseligkeiten verschüttet war. Hefte zum Erwerben von Fremdsprachen, Dutzende von Seifenstücken und Sardinendosen, Säcke mit Meeressalz und Zwiebeln, Rechnungen, Kochgeschirr, leere Kartonkisten... nagelneue nie getragene Männerschuhe, Kataloge für Damen- und Herrenmode vom Feinsten, was der Markt bietet...usw....

Schließlich gelang es mir ein paar Gegenstände zur Seite zu schieben um am Bettrand sitzen zu können. Ich fragte ihn, warum er sich so lang verschollen hielt. Er machte mir ein Zeichen, ich soll mit ihm die Hochzeitszeremonie seiner Majestät, dem dänischen Kronprinzen im Fernsehen weiterverfolgen. Er fragte, ob ich schon wüsste, dass das Brautkleid der Prinzessin hundert tausend Euro Wert war, und dass es das Geschenk des Brautvaters an seine Tochter war. Als ich ihm sagte, dass ich etwas davon in den Tageszeitungen las, fragte er mich dann, ob ich vom gravierenden Konflikt wusste zwischen der Brautmutter uns der Prinzentante über die in Frage kommende Trauungskirche. Dann fing er an mir von persönlichen Details über die Braut zu berichten, von denen der Bräutigam selbst wahrscheinlich nichts wusste.

Ich habe es endlich kapiert. Er hatte keine Lust über sich selbst zu sprechen. Ich ließ es sein. Bevor zu gehen ließ ich meine angebrochene Zigarettenschachtel und etwas Geld zurück, konnte mich aber nicht bremsen ihn über seinen schottischen Hut zu fragen, den ich im Zimmer vermisste.

„Der Hut passte nicht zu meiner Stirn. Er war etwas zu breit.“ Sagte er.

„ Ja, aber du warst ja so stolz auf ihn, dass du dich ohne als ein miserabler Greise fühltest, wie du mir mal gesagt hast!“ protestierte ich.

„Kannst du mir noch helfen, das Bett zu schieben. Ich möchte die Wände in spätestens einer Woche streichen. Ich muss sie streichen, sonst werde ich eingehen, mich überkommt eine unermessliche Traurigkeit, wenn ich morgens die Augen aufmache und diese verdammt traurige Farbe sehe. Ich habe mir schon weiße Farbe besorgt.“

Ich half ihm und unterließ eine weitere Frage über den schottischen Hut. Ich verstand, dass er nicht sprechen wollte. Das erkennt man bei Hamid Mitschko, wenn er seinen Mund schmollt, den Kopf nach rechts neigt und gleichzeitig anfängt mit seiner Hand auf die Hose zu klopfen, als ob er sie von einer dicken Staubschicht befreien möchte, die aber nur er sieht.

Zwei Wochen danach wachte ich an einem Samstag sehr früh auf. Mich erfasste unerklärlich eine schier unerträgliche Traurigkeit. Ich habe beinahe ????? vergessen, als ich aus dem Haus rannte in Richtung der Amalienstraße. Der verdammte Bus verspätete sich um ganze zehn Minuten, die niedrigen dichten Wolken schienen mir wie aus Blei und dunkler Asche. Ich fühlte mich beschissen, hoffnungslos, unbeholfen.

Ich erreichte das rote Gebäude fast außer Atem geratend. Ich drückte zehn, zwanzig Mal auf den Knopf. Ich drückte auf einen anderen Knopf. Ich drückte auf alle Knöpfe! Sollen Sie alle aufwachen, verdammt! Schlafen die denn Tag und Nacht.“ Die Tür wurde mehrmals hintereinander geöffnet. Die Beschimpfungen begleiteten meine Schritte auf den Holztreppen bis zum

Achten Stockwerk. Im fünften Stockwerk stand ein Halbnackter an seiner Wohnungstür und kratzte sich am gewaltigen Bauch. Als ich an ihm vorbeiging spuckte er auf den Boden und warf hinter mir übelste Beschimpfungen bevor er die Tür hinter sich laut zuknallte.

Ich erreichte endlich Hamid´s Zimmer. Warum kann ich nicht mehr schnaufen?

Mein Herz fing an zu rasen, wie ein Ventilator, als ich einen dicken Umschlag in der Türspalt stecken sah, der den Schlüsselloch und die Türklinke verdeckte.

Ich konnte die lateinischen Buchstaben meines Namens darauf lesen. Minuten lang hielt ich den Umschlag in der Hand. Mir ist wirklich schlecht.

Bloß zwei Seiten waren drin, amputierte Abschnitte mit Titeln auf Deutsch, wie ein Haufen Rätsel. Ich las: Die Tokomoko ist eine grüne Pflanze, die nie genug von der Erde und vom Wasser hat, mit einer Roten Frucht und gelben Kernen...Daghbaschi, tunesischer Freiheitskämpfer aus dem Süden, wurde 1922 ermordet am selben Platz in seinem Dorf, wo er geboren ist... Samuel, der Kellner im Café „usw“ ist wirklich ein guter Mensch, gutes Herz , wirklich ein großartiger Mensch, liest sehr viel...Mich freut es immer wieder ihn zu sehen, obwohl ich glaube, dass er an Gott nicht glaubt...

Warum lächelt die Nacht so hinterhältig auf den Dächern der Nachbarn?...

Die Krankheiten, die meine Mutter plagten, waren eigentlich der Motor ihrer Lebhaftigkeit und ihrer Liebe zum Leben.

Ihre chronischen Schmerzen waren eine unerschöpfliche Quelle für ihre Vormittags-Geschichten mit den Nachbarinnen.

Tante Fatima pflegte es oft zu wiederholen, dass meine Mutter eigentlich eine sehr träge Seele hatte, sie machte nämlich den Mund auf, nur um zu gähnen. Sie wurde aber auf einmal beliebt, nachdem sämtlichen Ärzte dabei versagten sie von ihrer seltsamen Krankheiten und Schmerzen zu heilen, die sie nachts überfielen. Das Erstaunliche war, dass sie seit ihrer letzten großen Erkrankung plötzlich die Fähigkeit erwarb, Träume zu deuten und alle Krankheiten mit Olivenöl, Honig und zerdrücktem Knoblauch zu bekämpfen.

Drei Worte, die ich nicht lesen konnte. Die Buchstaben waren so groß geschrieben, dass diese drei Worte eine ganze Zeile in Anspruch nahmen. Was meinte dieser Verrückte? Kann es sein, dass er es getan hatte?

Ich blätterte um. Ein großer Titel stand oben in der Mitte, in großen Buchstaben und in zwei Zeilen. Vermutlich ist sie die erste Seite, mit der hätte ich das Lesen anfangen sollen...

Er schrieb: detaillierter Entwurf über meine Lebensgeschichte. Darunter, als Untertitel, stand der Spruch, vermutlich eines unbekannten Philosophen oder Schriftstellers in roter Farbe und in einem makellosen Französisch geschrieben: „ Ich ging rein, kam aber noch richt raus, (bin immer noch drin) wie wagt ihr es von mir zu verlangen, dass ich Euch beschreibe, was ich sah und litt, ihr, die hinter dem Außentor steht.)

Zwei Wochen danach traf ich ihn. Ich sah ihn seelenruhig in einer zeitgenössischen Zeitschrift über Geographie blättern. Ich wunderte mich natürlich nicht ihn dort zu sehen und beabsichtigte es keine Fragen zu stellen über das, was geschah. Ich verließ mich dabei auf seine Zufriedenheit über meine bescheidene Stille, die ihn zum Sprechen verführt. Nichts geschah. Er nippte weiter an seiner Tasse bitteren Kaffee. Er nippte genüsslich weiter... Wochenlang, weil er immer noch nicht rauskam (Er sei immer noch drin)!

Ich fragte ihn, ob er meine Einladung auf ein Weißbier annimmt. Er sagte, dass er seit drei Wochen keinen Alkohol trank, weil er im Krankenhaus lag und, dass er erst vor drei Tagen entlassen wurde. Man hat ihm den Blinddarm entnommen. Blinddarm, auf Arabisch nennt man ihn “die Zusätzliche“.

„Jetzt bin ich perfekt“ witzelte er. „ Weder Zusätze noch Mängel“ und stützt sich an den Stuhl um aufstehen zu können.

Ich teilte ihm beim Abschied in einem hinterhältigen Ton mit, dass ich den Entwurf seines Romans besitze. Darauf kam seine gelassenen Antwort:

„ Ich habe meinen Stil geändert. Von jetzt an schreibe ich nur Krimis über Al-Capone und die Mafia.“

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